Preisträgerliste Uelzener Filmtage 2016


  1. Hauptpreis/1. Preis der Stadt Uelzen „Die Uelzener Filmrolle“ Wert 500,00 €

„Mir gegenüber“ Julian Förster, Hitzacker:

Die Jury: „Kommunikation in Zeiten von Facebook, WhatsApp, Snapchat und so weiter ist selten exklusiv. Denn nicht selten habe ich das Gefühl, mein digitales Gegenüber schreibt oder spricht gerade noch mit mindestens einer weiteren Person und ich gestehe, nicht selten habe ich das auch schon getan. Kommuniziert wird mit vielen Personen, wirklich in Verbindung steht man jedoch nur mit wenigen. Der Gewinner der Uelzener Filmrolle 2016 setzt diesen Trend metaphorisch und künstlerisch treffsicher um: In einer Nebenstraße stellt ein Trödelhändler einige Gegenstände „Zum Mitnehmen“ vor die Tür, darunter ein alter Spiegel. Ein Mädchen kommt vorbei. Im Spiegel erscheint ein Junge, schreckt zurück, verschwindet aus dem Bild und taucht sogleich wieder auf. Im Spiegel ist er zu sehen, auf der Straße steht er nicht. Beide lernen miteinander zu kommunizieren, schreiben sich Nachrichten. Eine zarte Annäherung beginnt, jäh unterbrochen als der Spiegel durch ein Versehen zerbricht. Die junge Liebe scheint beendet bevor sie beginnen konnte, doch eines Tages erblickt das Mädchen den Jungen an einer Bushaltestelle und steht ihm das erste Mal wirklich gegenüber. Julian Förster bedient sich geschickt den Möglichkeiten der filmischen Bildsprache, spielt mit der einfachen und mehrfachen Spiegelung. Seine Charaktere erleben eine außergewöhnliche Teenager-Geschichte, ein kleines, sensibles zwischenmenschliches Momentum in einer schnellen und oberflächlichen Welt. Wir prämieren seinen analytischen Blick, seinen Sinn für Poesie, die in besonderem Maße gelungene Umsetzung sowie die kreative Gesamtleistung, da er nicht nur für die Regie sondern auch für Drehbuch, Kamera und sogar die Musik verantwortlich zeichnet. Der Preis der Stadt Uelzen, die Uelzener Filmrolle 2016, geht an „Mir gegenüber““.



  1. Preis der Niedersächsischen Kultusministerin für ein Schulprojekt, Wert 500,00 €

„Der Lachdieb“ Film AG Kleeblattgrundschule Markoldendorf

Die Jury: „Wenn ich euch fragen würden, was uns Menschen zu Menschen macht, würden sicherlich viele Vorschläge kommen. Dass wir sprechen können, dass wir fühlen oder dass wir Freundschaften schließen. Oft nehmen wir all das gar nicht richtig war. Mit Schule oder Arbeit haben wir einfach unglaublich viel zu tun. Viel zu selbstverständlich können wir eben genau das: sprechen, fühlen, Freunde finden. Erst dann, wenn etwas nicht mehr da ist, merken wir, wir wichtig das Selbstverständliche ist.

So geht es auch der Hauptfigur in einer Geschichte, die ich als Kind gerne gelesen habe. Für das Versprechen, alle Wetten in seinem Leben zu gewinnen, verkauft Timm Thaler sein Lachen. In diesem Film aber haben sich die Opfer nicht selbst dazu entschieden, ihr Lachen zu verlieren. Der Lachdieb schleicht sich von hinten an sie heran und stiehlt ihnen das Lachen vom Gesicht und sammelt es in Flaschen. Dabei ist Andreas eigentlich gar nicht böse, sondern kann selbst nicht mehr lachen, seit ihm in Kindertagen die Freude genommen wurde. Erst einer Gruppe gewitzter Kinder mit ihren unterschiedlichen Talenten gelingt es, dem Dieb das Handwerk zu legen und auch ihm das Lächeln zurückzugeben. Mit dieser kreativen Idee hat der Film „Der Lachdieb“ von der Film AG der Kleeblattgrundschule aus Markoldendorf uns gezeigt, dass man die kleinen Dinge viel häufiger beachten sollte. Auch wenn Kameraführung, Ton und Licht an einigen Stellen nicht immer bis ins letzte Detail überzeugen konnten, haben uns die liebevoll gestalteten Charaktere und die runde Geschichte begeistert. Besonders bemerkenswert finden wir, dass sowohl die Kluge als auch die Tollpatschige, Captain America genauso wie die Sportlerin gebraucht werden, um den Film zu einem guten Ende zu führen. Wir hoffen, bald einen weiteren Produktion der jungen Filmemacher sehen zu können und gratulieren zum Preis des Niedersächsischen Kultusministerium, der für ein Schulprojekt vergeben wird.“



  1. Preis der Jungen Presse Niedersachsen Wert 250,00 €

„Finstere Zeiten“ Julian Baufeld, Hannover

Die Jury: In der Jury haben wir lange darüber diskutiert, was einen guten Film ausmacht. Für einige von uns, so auch für mich, kann ein gelungener Schluss einen Film aufwerten. Ein Plot Twist, eine Überraschung am Ende, etwas Unerwartetes – all das haben wir in den letzten Tagen in euren Filmen gesehen. Und auch Bertold Brecht beschrieb bereits die Macht eines guten Schlusses. So heißt es am Ende des Stückes „Der gute Mensch von Sezuan“: Wir wissen wohl, das ist ein rechter Schluss. Es muss ein guter da sein – muss, muss, muss.“
Doch allein das Ende eines Filmes kann nicht alles sein. Vor dem Schluss muss erst etwas Anderes kommen, dass auf den Schluss hinleitet. In der Jury waren wir immer wieder dann besonders begeistert, wenn der Teil vor dem Schluss etwas Neues gewagt hat. Wenn Dinge kombiniert wurden, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, wie zum Beispiel das Tanztheater und Brecht. Es ist mutig, sich aus einer ganz anderen Perspektive ausgetretenen Pfaden zu nähern und auch diese Leistung wollen wir heute würdigen.
In diesem Film wurden aber nicht nur zwei unterschiedliche Welten des Theaters erfolgreich kombiniert und mit Hilfe des Mediums Film dargestellt. Die jungen Filmemacher nehmen sich darüber hinaus einer Filmform an, die wir eigentlich aus der Zeitung kennen: Nämlich dem Essay. Es gelingt ihnen die Merkmale eines gelungenen Essays, nämliche eine durchgehende Fragestellung und verschiedene Perspektiven auf das Thema, auf das Medium Film zu übertragen. Eine gelungene Leistung.
Doch dem nicht genug. Den Produzenten ist es gelungen, die in ihrem Film diskutierten Themen auch auf die Struktur ihres Werkes zu übertragen. Brechts Schriften zum Theater wurden brillant in diesem künstlerischen Filmversuch umgesetzt. Wir sahen Klassenhierarchien genauso wie ein offenes Ende, bei dem der Zuschauer selbst die Frage, ob Brecht tanzbar ist, beantworten muss.
Wir gratulieren Julian Baufeldt aus Hannover ganz herzlich zum Preis der Jungen Presse Niedersachsen für seinen Film „Finstere Zeiten".



  1. Preis der GEW Stadt- und Kreisverband Uelzen 250 €

„Der Verräter 2 – Das Wiedersehen“ Film AG Pestalozzi-Förderschule Burgwedel

Die Jury: „Ein Genrefilm ist immer eine besondere Herausforderung. Umso beeindruckender zu sehen, mit welchem Selbstbewusstsein und Verständnis die Filmemacher sich an diese Aufgabe herangetraut haben. Sie haben ein Universum geschaffen und es mit ihren faszinierenden Figuren zum Leben erweckt. Die Leidenschaft und Überzeugung von ihrer Geschichte und ihren Protagonisten lässt sich an dem hohen Produktionsaufwand, der selbstgemachten Ausstattung und den zahlreichen Locations erkennen. Ein mit einem Augenzwinkern inszenierter Noir-film, mit eigenem Look und eigener Ästhetik, indem sich trotz Schwarz-Weiß Optik, Gut und Böse nicht immer unterscheiden lassen. Der Preis der Gewerkschaft der Erziehung und Wissenschaft, geht an: der Verräter 2 – Das Wiedersehen der Pesta-Lozzi Förderschule Burgwedel. Herzlichen Glückwunsch.“



  1. Preis der Volksbank Uelzen-Salzwedel eG, Wert 125,00 € und Nominierung für das 14. Internationale Film Fest Hannover up and coming 2017:

„Das Mädchen in Grün“ Max Langsch, Göttingen

Die Jury zum Geldpreis: „In einer Welt der Gleichförmigkeit, bewegen sich die Menschen wie Roboter in festgelegten Bahnen und achten nicht mehr auf die Schönheit der Dinge um sie herum. Genau wie der Junge in rot, das Mädchen in Grün sucht - verfolgt der Zuschauer den geschickten Einsatz von Farbe in einer ansonsten farblosen Welt. Die qualitativ hochwertige und durchgehend motivierte Kameraführung sorgen für einen ansprechenden Film. Ohne ein einziges gesprochenes Wort, getreu dem Prinzip: „Show don’t tell“, stringent erzählt, kommt der Film zu einem perfekten Ende. Das Mädchen in Grün setzt Gefühle in Bilder um und zeigt uns die Schönheit des Anders sein. Der Preis der Volksbank Uelzen-Salzwedel geht an das Mädchen in Grün.“

Die Jury zur Nominierung up and coming: „Film ist ein Medium, in dem berührende Geschichten auch ohne Worte erzählt werden können. Das Mädchen in Grün tut genau das mit seiner durchkomponierten Ästhetik.

Kamera, Schnitt, Schauspiel und Musik fügen sich nahtlos ineinander und ergeben einen Film, der auch im bundesweiten Vergleich fraglos bestehen kann. Aus diesem Grund vergibt die Jury, die diesjährige Nominierung für das 14. Internationale Filmfest Hannover up and coming 2017, an Max Langsch und seinen Film: das Mädchen in Grün.


  1. Preis der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg Wert 125,00

„Ausgeliefert“ Hauke Wiemer, Aurich

Die Jury: „Dieser Film verfügt über einen Anfang und ein Ende, die beide überzeugend überraschen. Während uns der Anfang mit dem Unfall die Helden präsentiert, die dann bösen Mächten ausgeliefert unfreiwillig ihren Auftrag bekommen, zeigt das Ende die Abrechnung für die während der Heldenreise erlittenen Qualen und Verluste, die letztendlich komplett ihren Sinn verlieren.

Der Preis der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg geht an den Film Ausgeliefert von Hauke Wiemer. Wir sind begeistert von der Erzählfreude mit funktionierendem Plot gepaart mit zum Teil sehr gekonnten Schauspiel. Die Ironie, mit der die genrebedingt unvermeidlichen Gewaltszenen gebrochen werden, macht eine weitere Ebene im Film auf, die einfach Spaß macht.“



  1. Preis des Central Theater Uelzen, Wert 125 €

„Infinite“,Jona Winkler, Hannover


Zitat: „Ich kann ja ein ziemlich sturer Mensch sein. Wenn ich etwas will, dann verfolge ich das mit so einer Vehemenz, dass das für meine Mitmenschen ziemlich anstrengend werden kann. Die Jury: „Und ich glaube, das zahlt sich im Bereich Schauspiel/Filmemachen letztendlich, wenn man einen langen Atem hat und für das kämpft, was man liebt. Dass es sich lohnt manchmal auch durchzuhalten, obwohl man eigentlich schon aufgeben will, hat uns das Ende dieses Filmes gezeigt und ihn für mich auch nach ganz vorne katapultiert. Denn das ist eine Message, die ich auch den jungen Filmemachern hier mitgeben möchte. Auch wenn ihr diesmal nicht ausgezeichnet wurdet, dran bleiben! Und denkt dran: the Heroes Journey wäre nicht weitergegangen wenn der Held dem Refusal oder der Temptress nachgegeben hätte. Also aufgeben zählt nicht! Insgesamt haben wir uns aber ein bisschen erschrocken. Und zwar nicht nur bei so manchem gewollten Schock-Moment. Auch bei diesem Film haben wir uns gefragt, warum wir so vielen düsteren Zukunftsvisionen auf diesem Festival begegnet sind. In einer Zeit, in der es uns allen hier relativ gut geht, oder? Unser Preisträger hat uns mitgenommen auf eine ziemlich graue distopische Reise und wir haben heiß diskutiert, was uns der Film sagen will. Für mich zeigt er klar, was auch die Ängste dieser Generation sind. - Von der digitalen Welt emotionstot oder ausgeschaltet zu werden. - Uns irgendwann selbst wegrationalisiert zu haben. - Den Luxus, in dem wir uns bewegen, vielleicht eines Tages zu verlieren. Und das ist eine gute Angst, denn sie zeigt, dass es uns bewusst ist, wie gut es uns geht. Genau. Diesen Themen wurden uns ein paar Mal vorgestellt. Aber dieser Film hat es geschafft sie uns auf ein sehr ästhetische Weise näher zu bringen: Mit einer scharf beobachtenden Kamera, glänzendem Licht, glaubhaftem Schauspiel und wunderbar untermalenden Sounds haben, wurde ich mitgenommen in diese unendliche Welt und deshalb bekommt Jona Winklers „Infinite“ den Preis des Central-Theater-Kinos.“




  1. Lobende Erwähnung

„Gefangen im Netz“ Timon Kraaz, Uelzen

Die Jury: „Auftritt Strahlen! Stimme Tief GEFANGEN IM NETZ - Besonders beeindruckt hat auch uns die erschaffene Welt und das starke Schauspiel vom Ensembles von „Gefangen im Netz“, weshalb wir diesen Film hier noch einmal herausheben wollten. Wir können unsere Heizung per Smartphone steuern und unsere Gesundheit per App überwachen. Computer werden immer wichtiger und mächtiger. Timon Kraaz hat es geschafft eine sehr kreative Mannschaft um sich zu versammeln und uns gezeigt, wo es hinführen kann, wenn wir nicht mehr drüber nachdenken, welche Aufgaben der Computer für uns übernimmt. Spätestens 2049 werden wir sicher von dir hören.“





  1. Lobende Erwähnung

„Alles Gute zum Buttertag” Jakob Michal, Salzhausen

Die Jury: „Und so kommen wir zur erste lobenden Erwähnung der Jury der Uelzener Filmtage 2016, und zwar für: Alles Gute zum Buttertag von Jakob Michal. Eine außerordentliche Beobachtungsgabe für die Feinheiten des Alltags sowie eine bemerkenswerte musikalische Leistung zeichnen dieses Musikvideo aus. Denn aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Entscheidung, wie viele Minuten vor dem Essen man die Butter aus dem Kühlschrank holt von Familie zu Familie unterschiedlich gehandhabt wird. Gekonnt spielt Jakob Michal zudem mit filmischen Mitteln wie dem Bildformat, Farbe, Schwarz-Weiß und verschiedensten visuellen Effekten und erzählt uns somit eine runde, kleine Geschichte mitten aus dem Leben, die wir hiermit lobend erwähnen.“

  1. Lobende Erwähnung

„Der süße Brei”

Die Jury: „Als drittes möchten wir gerne den Beitrag der Evangelischen Martinskita Engelbostel lobend erwähnen. Sie haben ein Märchen nach den Brüdern Grimm „Der süße Brei“ als Trickfilm inszeniert. Hier möchten wir vor allem lobend erwähnen, wie die Kinder ihre Talente gekonnt eingesetzt haben: Dazu gehören etwa die verstellte Stimme für die alten Frau, die selbst aufgenommenen zur Sounduntermalung und die selbst gemalten Bilder in der Animation. Dafür möchten wir den Kindern sowie ihren Betreuerinnen und Betreuern großen Respekt aussprechen, sich dieser Aufgaben angenommen zu haben. Wir hoffen, dass wir in ein paar Jahren noch weitere Beiträge der Kinder sehen dürfen.“





Fachjury